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Wann ging die gute alte Zeit kaputt?

25. Juni 2009

Ich übernehme hier mal eine meiner Antworten aus gutefrage.net, weil’s einfach passt. Die Frage lautete:
Alle ab 40: Habt ihr rückblickend auch die 70er Jahre als Zeit größten Wohlstands in Erinnerung?
Hier meine Antwort:

Natürlich! Seit 1945/46 war es bis zur Ölkrise immer aufwärts gegangen mit dem Wohlstand und man hatte das Gefühl, diese Aufwärtsbewegung sei ein Naturgesetz. Der uns damals so verhasste Satz „Wer Arbeit sucht, der findet auch welche!“ stimmte tatsächlich noch und die soziale Schere war weit weniger auseinandergeklafft.
1982 begann mit der „geistig-moralischen Wende“ die Umverteilung von unten nach oben, der Ausverkauf des staatlichen Tafelsilbers („Privatisierung“) und die schleichende Übergabe der Macht von demokratisch gewählten Regierungen an vaterlandslose multinationale Konzerne („Globalisierung“). Einige Jahre später sprach man von der „Neuen Armut“.
Ende der siebziger gab ich jedem Straßenmusikanten, der „Sailing, I am sailing!“ gröhlen konnte, eine Mark. Man traf nur selten welche; ich fand die Idee schön, auf der Straße Musikanten zu hören und konnte die Mark (für die man bei Tchibo z. B. 2 Tassen Kaffee bekam) erübrigen.
Heute sitzen in jedem zweiten U-Bahnhof Profimusiker, vor deren Kunstfertigkeit ich allerhöchsten Respekt habe, aber sie gehen mir auf die Nerven, weil es so viele sind und ich brauche die 50 Cent (ein Papp-Becher Kaffee kostet in der Deutschen Bahn 2,60EUR, also 5 Mark zwanzig) selber.
Früher lachte man in der Dreigroschenoper über Peachum, der die Bettler ausbildete („Mein Vater war ein Trinker, meine Mutter war eine Säuferin…“), heute kann man nicht mehr S-Bahn fahren, ohne von den Absolventen solcher Schulung eine Obdachlosenzeitung angeboten zu bekommen.
Genau genommen war die gute Zeit vorbei, als Peter Gabriel sich von Genesis getrennt hat.