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Telefonzellen

4. März 2010

Und Telefonzellen.
Früher musste man nur zur nächsten großen Kreuzung laufen und dann notfalls noch in alle vier Richtungen schauen: Spätestens jetzt sah man in Laufweite eine leuchtende gelbe Telefonzelle.
Darin befanden sich ein Telefonbuch und ein Branchenbuch, man konnte die Tür hinter sich zumachen und für 20 Pfennige jemanden anrufen.
(Später geborene mögen sich vorstellen, es gäbe alle paar hundert Meter ein kleines, billiges Internetcafé ohne Getränkeservice.)

Dann begann man, sie zu tarnen. Ich selbst habe mal am U-Bahnhof Rudow immer hektischer werdend nach einer Telefonzelle gesucht, dann begonnen, Passanten zu fragen, die mir aber auch nicht weiterhelfen konnten, bis schließlich jemandem auffiel, daß ich direkt vor 3 magentagrauen Zellen stand.
Das war eine tolle Marketing-Idee, diese Farbe. Graue Telefonzellen in einer grauen Stadt. Komischerweise benutzten die Leute die Zellen dann immer weniger, aber noch nicht wenig genug und so entfernte man die Telefonbücher. Immer noch kamen Telefonierwillige in die Zellen, steckten Geld in den Schlitz und…genau – da war eine Möglichkeit für eine weitere Schikane: Die Einführung von Telefonkarten. Telefonkarten, die man garantiert nicht hat, wenn man telefonieren muss, die sehr viel mehr Geld kosten als ein Telefongespräch, die man im Automaten vergessen kann nach dem Anruf oder die einem, nachem man sich monatelang sicher fühlte, weil man sie für den Fall der Fälle ja für teures Geld gekauft hat und immer bei sich trägt, im entscheidenden Augenblick einfach mit „Karte nicht erkannt“ einen Strich durch die Rechnung machen.
Endlich ließ man die Türen weg und seit einigen Jahren sieht man manchmal Telefone am Stiel neben der Straße stehen, ganz ohne Zelle. Niemand benutzt sie – wie auch?